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Pentium III GTI
Um allen Missverständnissen im Voraus den Boden unter den Füßen zu entziehen: Der Pentium III GTI ist kein neuer Prozessor.
Aber sie kennen doch sicherlich alle dieses Stück automobiler Geschichte, das an Bekanntheit langsam dem VW Käfer den Rang abläuft – den VW Golf, bevorzugt in der sportlichen GTI-Variante? Die einen kennen den Golf als kleines Auto für den Einkauf, vornehmlich von weiblichen Fahrern bewegt. Diese sind nur selten typische GTI-Fahrer, GTI-Fahrer, das sind wahre Männer, die Krone der Schöpfung.
Und wenn man zur Krone der Schöpfung gehört, muss man das auch zeigen. Denn so ein Auto ist natürlich auch ein prima Schaustück. Hier kann sich der Besitzer austoben und das Gefährt nach seinem Gunsten verschönern. Hier wird ein Spoiler angeschraubt, dort wird die allzu zierliche Bereifung durch Gummi-Walzen ersetzt, die von der Größe her einer Dampfwalze die Tränen in die Augen treiben würde.
Manchmal bleibt es auch nicht nur beim Tuning der äußeren Optik. Dann wird am Motor verändert, was machbar ist. Mit viel Chrom im Motorraum fährt der Wagen zwar keinen Deut schneller, sieht dafür aber besser aus – zumindest, wenn sich die Besitzer ganz der deutschen Vereinsmeierei folgend zusammenrotten und zeigen, was sie haben. Vornehmlich auf Wiesen oder sonstigen großen Grundstücken trifft sich dann so ein Grüppchen, stellt die Golf GTI militärisch genau in eine Reihe und öffnet die Motorhauben – „Golfs, präsentiert den Motooor!“, möchte man fast ausrufen.
Was das nun mit Computern zu tun hat? Computer haben schließlich in den allerseltensten Fällen Räder und ein Auspuff zum Verchromen gibt es auch nicht.
Aber trotzdem: Der Trend zum PC, der anders aussieht als der des anderen, nimmt zu. Mausgraue Kisten unter dem Schreibtisch sind out. Die ersten umlackierten Gehäuse wurden schon gesichtet, teilweise kann man sie sogar schon fertig kaufen. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, nein, etwas Farbe im computergrauen Alltag kann nichts schaden.
Leider hört es beim optischen Tuning an der Außenseite da auch schon auf. Die Anbringung diverser Spoiler wäre zwar möglich, aber wenig sinnvoll. Schon oft gesehen wurden allerdings zusätzliche Lüftungslöcher und Aussparungen für Lüfter, damit der Rechner auch immer einen kühlen Kopf – Verzeihung, eine Kühle CPU – behält.
Und damit wären wir auch schon beim Innenleben angelangt. In Zeiten, in denen alle Komponenten mehr oder weniger gleich sind, muss man sich natürlich irgendwie von der breiten Masse abheben.
Gerade das Übertakten ist zum Volkssport geworden. Überall im Netz findet man Hinweise mit welchen absonderlichen Methoden CPUs übertaktet werden können, um noch etwas mehr Leistung aus ihnen herauszukitzeln. Nicht dass dieses unbedingt nötig wäre, aber schon allein der Gedanke, dass es möglich sein könnte, weckt bei vielen den Heimwerker. Da ein solch übertakteter Prozessor heißer wird als gewöhnlich, ist natürlich eine geeignete Gegenmaßnahme zu ergreifen. Noch harmlos sind da diverse Kühler von unvorstellbarer Größe. Ein besonderes Schmankerl ist da die Orb-Reihe. Diese Kühler zeichnen sich vor allem durch ihre recht elegante Form und noch viel mehr durch ihre Farben aus. Die extravagante Form könnte sogar hilfreich bei der Wärmeabfuhr sein, aber die Farbe ist wirklich nur ein Gag. Schade nur, dass man sie im Inneren des Rechners nicht sieht, der ist ja meistens geschlossen.
Ähnlich sinnig sind AOpens Motherboards. Die als Black Beauty bekannte Reihe zeichnet sich durch eine schwarze Platinenoberfläche und einen Kühler mit Gold- oder Platin-Auflage aus. Die Auflegen und die schwarzen Oberflächen bringen technisch gesehen nichts, sehen einfach nur gut aus. Ein neuer Vetreter ist das als „Sweet Kiss“ bezeichnete Board. Es ist komplett (inklusive Kühler) in Rosa gehalten. AOpen will wohl die weibliche oder weiblich veranlagte Kundschaft anlocken. Aber auch hier: Der Rechner ist im Normalfall geschlossen. Oder sollte und der Name des Hersteller (A-Open) da etwas sagen wollen?
Richtig, da ist die Analogie zum GTI-Fahrer: Der Rechner muss ähnlich der Motorhaube des Golfs geöffnet sein, damit man was davon sieht. Also muss auch hier ein Treffen organisiert werden. In Fachkreisen nennt sich das natürlich nicht Golf-GTI-Treffen, sondern LAN-Party und hier versammelt man sich zum Wettprotzen mit den Rechnern, ganz so, als habe man einen Pentium III GTI.
Da stehen die Rechner in Reih und Glied mit geöffneten Gehäuse. Man möchte fast ausrufen „Rechner, präsentiert das Board!“
Vielleicht erfindet ja noch ein fleißiger Chemiker ein Medikament, das das Gehirn einfärbt. Dann könnten sich die Leute, die schon einen GTI und innen farbigen Rechner besitzen, sich treffen, sie in Reih und Glied aufstellen, den Schädel aufsägen und ich würde rufen „Idioten, präsentiert das Gehirn!“ Aber viel zu sehen gäbe es wahrscheinlich nicht.
(Genaues Datum unbekannt)
| Dieser Beitrag wurde von Michael Kaesper am 3. Dezember 2005 um 16:12 veröffentlicht und unter Archivierte Kolumnen abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Kommentare und Pings sind momentan deaktiviert. |
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