Da sitze ich wieder. Nicht vor einem weißen Blatt Papier, aber vor einem fast weißen Bildschirm. Eine neue Kolumne ist fällig, der Titel steht schon, ‘Schreiben’ soll er heißen. Eine richtige Idee habe ich nicht. Beim Brüten fällt mein Blick auf die Uhr und mir auf, dass es fast Mittag ist. Ich verschiebe also erst mal die Fortsetzung der Kolumne und haue ein Ei in die Pfanne.

Nach dem Essen sitze ich wieder vor dem quälend weißen Bildschirm. Die Ideen prasseln nicht gerade auf mich ein. Alles, was prasselt, ist der Regen an die Fensterscheibe. Eine Flucht vor dem Weiß der Ideenlosigkeit in einen Spaziergang fällt also im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Ich bevorzuge die Trockenheit. Aber richtig, die Wäsche im Keller müsste trocken sein. Also verbringe ich die nächsten zwei Stunden mit dem Abhängen und Falten von Wäsche. Und da ich schon dabei bin, sorge ich auch für völlig Trockenheit und saubere Falten, indem ich das Bügeleisen zum Einsatz kommen lasse. Die weißen Hemden müssen gebügelt werden. Weiß? Da war doch was…

Jede Flucht hat einmal ein Ende. Wieder vor dem Monitor sitzend, stelle ich fest, dass es Heinzelmännchen entweder nicht gibt oder dass sie noch nicht mit der modernen Technik vertraut sind. Sollte die Bande aber schleunigst nachholen, denn mein Bildschirm ist immer noch leer.

Draußen regnet es immer noch, keine Fluchtmöglichkeit. Anscheinend trauen sich bei diesem Mistwetter selbst Ideen nicht auf die Straße. Zumindest hat keine einzige an meine Tür geklopft. Können Ideen eigentlich nass werden? Oder ist das nur eine billige Ausrede?

Inzwischen habe ich mich aufgemacht. Auf zum Kühlschrank, denn es ist Nachmittag geworden, Zeit für einen Imbiss. Da ich mir fest vornehme, beim Essen Ideen zu entwickeln und zumindest einen Anfang zu finden, nehme ich ein Knäckebrot und einen Kaffee mit zum Rechner.

Erwartungsgemäß befindet sich nach dem Verzehr immer noch nicht mehr auf dem Bildschirm als am Vormittag. Obwohl: Der Bildschirmschoner hat sich eingeschaltet und zeigt eine hübsch animierte Uhr, deren Sekundenzeiger sich mit mindestens dem Faktor 10 zu langsam bewegt.

Ich lasse meinen Blick auf der Suche nach Einfällen im Zimmer umherschweifen und entdecke die Krümel, die das Knäckebrot auf und in meiner Tastatur hinterlassen hat. Das bringe ich natürlich gleich in Ordnung. Der Staubsauger zieht alle Krümel raus und auch noch diversen anderen Schmutz mehr. War auch wirklich mal Zeit. Ich habe meinen fleißigen Staubsauger im Verdacht, dass er auch sämtliche Ideen aufgesaugt haben könnte. Also entreiße ich ihm seinen Beutel, finde aber nichts. Als Entschuldigung für die falschen Verdächtigungen spendiere ich ihm einen neuen Beutel.

Inzwischen ist es fünf Uhr. Schon etwas spät zum Schreiben. Und ich habe ja auch seit dem frühen Vormittag am Rechner gesessen. Lange genug, beschließe ich. Morgen kann ich ja auch noch schreiben.

(Genaues Datum unbekannt)